Der Baum der Liebe

Eines Tages auf der Straße nach Irgendwohin, traf die Liebe einen Menschen. Mit ausgestreckter Hand lief sie auf den Menschen zu, so als würde sie ihm die Hand reichen, oder etwas geben wollen.

Verwundert blickte sie der Mensch an. Er war es nicht gewohnt und mochte es auch nicht von einem Fremden auf der Straße angesprochen zu werden. Verärgert und ängstlich wollte er der Liebe ausweichen, aber sie stellte sich vor ihn, schaute ihm ihn die Augen und sagte: „Ich gebe dir dieses Samenkorn als Willkommensgeschenk. Schön dich getroffen zu haben. Was du damit machst, liegt in deinen Händen. Und wie das Samenkorn heranwächst, liegt an dir – an deiner Hege und Pflege“.

Zögernd nahm der Mensch das Samenkorn an sich und ohne sich bei der Liebe sich zu bedanken, wollte er seinen Weg fortsetzen.

„Halt!“, rief die Liebe, „nicht wegrennen! Ich gebe dir ein paar Pflegetipps mit auf den Weg. Das Samenkorn musst du in die Erde pflanzen. Es braucht viel Tageslicht, viel Sonne, viel Wärme, Dünger, Wasser…und vor allem viele Streicheleinheiten. Zuerst wächst es zu einem zarten Pflänzchen heran, dann zu einem Baum, der tiefe Wurzeln schlägt. Dann, bei guter Pflege zur rechten Jahreszeit, er Früchte trägt und ihnen unter seiner Krone Schutz bietet.“

„Ich habe noch nie einen richtigen Baum gepflanzt“, sagte der Mensch unsicher, als würde er sich dafür schämen. „Pflanzen ja, aber einen Baum zu pflanzen, das schaffen nur wenige Menschen“.

„Dann sei doch einer der Wenigen, die einen Baum pflanzen. Jeder der einen Baum pflanzen will, der pflanzt ihn auch. Es ist nicht die Frage des Willens, sondern dessen Umsetzung – das Tun und das Handeln“, sagte die Liebe energisch.

Der Fremde eilte mit dem Samenkorn in der Hand zum nächsten Blumenladen.

Der Blumenverkäuferin, eine wachsame Frau mit ausgeprägtem Einfühlvermögen, fiel der ungeduldige Fremde sofort auf. Sie blickte auf seine zur Faust geballten Hand und fragte ihn, ob sie ihm behilflich sein könne.

„Ich hätte gerne die passende Blumenerde und einen Topf für dieses Saatkorn hier“ Vorsichtig öffnete er die Faust und zeigte ihr das kleine Samenkorn.

„Was für ein Samen ist das?“ fragte die Blumenfrau etwas erstaunt.

„Ich begegnete zufällig der Liebe und sie schenkte mir dieses Korn als eine Art Willkommensgeschenk. Sie meinte, ich solle es in die Erde setzen, ab und zu gießen und etwas pflegen und daraus würde ein Baum – ein Baum der Liebe“, sagte der Mann unsicher und betont gelangweilt, als wäre es ihm peinlich. Die Verkäuferin könnte ja einen Lachanfall bekommen, denn alles klingt so unrealistisch…rational nicht begreifbar. Aber mit dem Herzen…?

„Nie gehört, von dem Baum, der so heissen soll. Ich denke, dass daraus eher ein Pflanze wird, oder vielleicht ein kleiner Strauch“ sagte die Verkäuferin verwundert.

Sie gab dem Fremden den gewünschten Beutel Blumenerde, die für alle Pflanzen geeignet ist und einen kleinen Blumentopf .

Der Fremde eilte nach Hause, steckte den Samen in die zuvor gekaufte Erde und stellte den Blumentopf auf das Fensterbrett, damit viel Licht darauf scheinen konnte.

Er goss ab und zu die ausgetrocknete Erde und wunderte sich, dass noch nichts zu wachsen begann.

Eines Morgens sah er im Blumentopf einen kleinen Spross und war erstaunt, wie klein und dürr er erst war. Der Fremde wandte sich enttäuscht ab und überlegte sich,erst noch ein paar Tage abzuwarten, was aus dem Spross werden würde.

Und siehe da, der Spross wuchs tatsächlich zu einem kleinen, zarten Pflänzchen heran und wartete sehnsüchtig auf Dünger und Wasser. Nach ein paar Tagen schaute der Fremde erneut nach dem Blumentopf und sah darin ein winziges, zartes Pflänzchen, das kraftlos hin und her schwankte.

Enttäuscht blickte der Fremde auf den Spross. Er hatte gedacht, die Pflanze würde schnell wachsen und üppig blühen. „Daraus wird nicht einmal eine Pflanze…geschweige denn ein Baum“, murmelte er enttäuscht und wandte sich ab.

Er ließ den Topf zwar noch stehen, aber er düngte das Pflänzchen nicht und er goss es auch nicht mehr. Ein paar Tage später ging es ein und der Fremde warf den Topf achtlos weg.

Monate gingen ins Land und wie das Leben so spielt, traf der Fremde zufällig wieder die Liebe. Er wollte ihr ausweichen, um ihren Fragen zu entgehen, doch sie stellte sich ihm in den Weg, so dass er nicht ausweichen konnte.

„Schön Sie zu sehen“, sagte die Liebe freundlich. „Was ist denn aus dem Samen, den ich dir schenkte, geworden?“

„Gar nichts “ sagte der Fremde genervt, aber doch etwas beschämt. „Es wuchs daraus ein zartes Pflänzchen, welches dann einging. Ich dachte, daraus wächst eine große Pflanze, welche abwechselnd wächst und blüht, und dass daraus ein Baum wird“.

Als sie nach der Pflege fragte, antwortet er beschämt und zögerlich, dass es es doch ausreiche, wenn die Pflanze hell stehe und ab und zu etwas gegossen würde.

„Sie waren doch auch mal ein kleines, neugeborenes Kind?“ fragte die Liebe vorsichtig . “ Und ihre Eltern haben Sie gepflegt und hatten sehr viel Geduld mit Ihnen, bis Sie groß waren und auf eigenen Beinen stehen konnten. Und Sie sind bestimmt nicht sehr schnell gewachsen und haben Ihren Eltern auch nicht immer nur Freude bereitet, sondern auch den einen oder anderen Kummer, oder etwa nicht?“

„Sicherlich, aber…“

„Kein Aber!“, unterbrach ihn die Liebe. „Mit der Liebe ist es ebenso wie mit einem Kind. Die Liebe muss gedüngt werden – sie muss Nahrung erhalten, viele Zärtlichkeiten, Freude, Gemeinsamkeiten. Die Liebe muss im Licht stehen, sie muss in der Helligkeit der Ehrlichkeit, der Treue und der Hoffnung gedeihen können. Die Liebe braucht Wasser, sie braucht die Quelle, woraus sie Kraft schöpfen kann, wenn der Alltag sie ermüdet. Die Liebe muss gehegt werden und die welken, kränkelnden Blätter müssen entfernt werden. Sie braucht die Worte, die ihr alles sagen….und jeder Streit und alle kränkenden Worte müssen sofort entfernt werden. Nur so kann die Liebe wachsen und blühen. Und denke daran: Sie braucht Zeit und Geduld!“

Sie drückte dem Fremden ein kleines Samenkorn in die Hand und der nahm es zögern an.

„Dieses Mal mach es aber besser und denke immer daran was ich dir gesagt habe“ ermahnte ihn die Liebe und ging mit einigen Schritten davon.

„Aber ich…“, weiter kam der Fremde nicht, denn die Liebe war kaum mehr zu sehen.

Er betrachtete das Samenkörnchen auf seiner Handfläche, unschlüssig ob er es einfach wegwerfen oder nicht doch der Liebe nachlaufen sollte, um es ihr wieder zurückzugeben.

Doch die Liebe, war nicht mehr zu sehen.

Achselzuckend und nachdenklich machte er sich auf den Weg zum Blumenladen, um neue Erde zu kaufen.

„Guten Tag, schön Sie wieder zu sehen. Ich bin von Natur aus ein neugieriger Mensch. Was ist denn aus dem Samenkorn geworden, das Ihnen die Liebe geschenkt hat? Was für eine Pflanze wurde daraus?“ fragte die Blumenverkäuferin.

„Daraus wuchs nur ein kleines Pflänzchen. Keine Ahnung welcher Art ich es zuordnen soll, aber nach kurzer Zeit ist es eingegangen,“ sagte der Fremde und senkte beschämt den Kopf. Als müsste er sich dafür rechtfertigen, sagte er leise: „Ich habe gar keine Ahnung von Pflanzen, geschweige denn von ihrer Pflege. Um ehrlich zu sein, ich habe sie auch nicht mehr gegossen. Wozu denn eigentlich? Es hat eine kleine Ewigkeit gedauert, bis das Samenkorn endlich keimte und dann war es so winzig. Ich glaube kaum, dass es zu einer stattlichen Pflanze herangewachsen wäre.“

„Abgesehen davon, dass Sie es nicht mehr gegossen haben,“ antwortete die Blumenfrau tadelnd, „solch seltene Pflanzen sind in der Regel sehr empfindlich und brauchen besonders viel Pflege. Und vor allem viel Licht. Sie ist eher für Pflanzenliebhaber und -kenner geeignet.“

„Nun ich habe heute die Liebe erneut getroffen und ehe ich mich versah, drückte sie mir ein neues Samenkorn in die Hand und lief so schnell sie auch nur konnte und ohne ein Wort davon,“ sagte der Fremde und seine Stimme klang etwas unsicher.

Die Blumenfrau lächelte verhalten und gab ihm die gewünschte Blumenerde, welche für alle Pflanzenarten geeignet ist, und wünschte ihm viel Glück.

Daheim angekommen, setzte er das Samenkorn vorsichtig in die feuchte Erde und stellte den Topf mit einem weißen Übertopf ans Fenster. Noch einmal streicht er mit dem Finger über die Blumenerde, glättete sie sanft, als würde er ein schlafendes Kind zudecken.

Der Fremde hat es zu seinem Ritual gemacht, Morgen für Morgen, Abend für Abend, die Erde zu berühren, sie sanft zu streicheln.

Als hätte das Samenkorn die Sanftheit seiner Streicheleinheiten gespürt, spross es vorsichtig und ebenso zart wie das erste Körnchen aus der warmen Erde.

Der Fremde betrachtete das Pflänzchen und staunte über seine Zartheit. Er war nicht mehr enttäuscht von dessen winzigem Spross und dessen Zerbrechlichkeit, sondern er bewunderte seine Lebenskraft.

Endlich hat er begriffen, dass das jedes Leben seine Stufen hat und Zeit braucht diese Stufen zu besteigen. Er lächelte verträumt und aus seinem Lächeln spiegelte sich die Hoffnung.

Sorgfältig hegte und pflegte er das Pflänzchen dieses Mal mit einer unbeschreiblichen Geduld und Zärtlichkeit und das Pflänzchen dankte ihm immer und immer wieder mit neuen Blättern, deren anfangs noch zartes Grün immer kräftiger schimmerte. Die dünnen Fädchen seiner Wurzeln wurden kräftiger und drangen etwas tiefer in die Erde um der Pflanze besseren Halt zu geben. Und so wuchs es langsam zu einem kleinen Bäumchen heran, mit einem schönen geraden Stamm und vielen Ästen, deren kleine Ästchen mit ihrem von den Strahlen der Sonne beleuchtet und in unzählige grünen Nuancen schimmernden Blätterkleid eine wunderschöne kleine Krone formten.

Das Bäumchen wuchs zu einem jungen Baum heran. Sommerregen, Donner und Blitz, kleine und heftigere Gewitter säuberten sein Blätterkeid und ließ es in der Sonne seidiger schimmern. Die gereinigte Luft tat dem jungen Baum sichtlich gut.

Der Herbst schlich sich auf leisen Sohlen an den Baum heran und färbte seine Blätter, gelb, rot und purpurfarben. Er nahm ihnen anschließend die letzte aufflackernte Kraft zum Leuchten. Im Herbstwind ließ er sie ihren Abschiedstanz tanzen und hilflos umherirren, bevor er sie auf den nasskalten Boden fallen ließ.

Kraftlos lagen nun die purpurfarbenen Blätter auf dem Boden und ließen den eisigen Novemberregen hilflos über sich ergehen. Die einzelnen Blätter rückten ganz eng zusammen und schützten mit ihrem Teppich das Bäumchen vor der Kälte des heranschleichenden Winters.

Hilflos schien der Baum dem Winter ausgeliefert zu sein, aber er wusste, dass es nicht allein ist. Er hatte den Fremden um sich herum, der ihn hegte. Beruhigt nahm er einen Winterschlaf. Der Fremde schnitt ihm die dürren Äste und befreite ihn vom Reisig. Der Baum schlief und sammelte neue Kraft.

Als würde der Baum die Sehnsucht, die Liebe des Fremden zu spüren, erwachte er eines Tages aus seinem Winterschlaf.

Die Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne, wärmten sanft die Luft.Die Schneedecke schmolz und tropfenweise fiel sie von den Ästen. Der Baum streckte seine noch blätterlosen Äste und Zweige in den Himmel, als würde er die Sonne begrüßen. Das zarte Blau des Himmels strahlte im Sonnenlicht und eine Herde weißer Schäfchenwolken wanderten über den Himmel. Die Vögel setzten sich auf die Äste des Baumes und zwitscherten munter ihr Frühlingslied. Eine Hommage an die Liebe, an die Hoffnung zwitscherten sie unermüdlich bis sie das Herz des Baumes erreichten und er ihnen die Tür öffnete.

Der Baum tanzte vor Freude und seine Äste wiegten sich im langsamen Rhythmus des milden Frühlingswindes. Die ersten Knospen sprossen zaghaft auf den Zweigen.

„Es ist Frühling“, dachte der Fremde. „Den ganzen Winter saß ich einsam in meinem Haus und wartete auf die Liebe und sie kam nicht.“ Traurig schaute der Fremde zum Fenster hinaus in den Garten.

Er staunte. Der Baum wurzelte tiefer und sein Stamm ist kräftiger als im Vorjahr. Aus Zweigen wurden langsam Äste und neue Zweige ließen die Krone größer werden.

„Der Baum der Liebe“ höhnte der Fremde. „Den Baum habe ich gepflanzt, habe ihn gehegt bis er wurzelte, habe ihn von seinem Reisig befreit und die Liebe kam doch nicht. Wenn er mit seiner Größe mein Haus überragt und seinen Schatten mir die Sicht aus dem Fenster versperrt, holze ich ihn ab.“ schimpfte er.

Eines Morgens schaute er aus dem Fenster und sah den Baum in einem neuen Blätterkleid, das zart- bis dunkelgrün in der Sommersonne schimmerte. Unzählige rote Knospen zierten das Kleid.

In den nächsten Tagen öffnete sich Knospe für Knospe, Pétale für Pétale.

Samtige, zerbrechliche Zartheit entfaltet sich. In ihrem Kelch nehmen die Blüten Tropfen für Tropfen den Morgentau auf. Der süße, fruchtige Duft zerbarst in der Luft und lockt zahlreiche Bienenschwärme an. Gierig tranken sie den Nektar aus dem Blütenkelchen und summten fröhlich ihr Liebeslied.

Der Fremde öffnete wie jeden Morgen das Fenster. Eine fruchtige Brise betörte seine Sinne und das rhythmische Summen lässt ihn innehalten und lauschen.

Eines Abends ging er hinaus in den Garten, legte sein Ohr an den Baumstamm und lauschte.

Wie ein Wasserfall rauschte das Wasser im Herzen des Baumes. Es floß durch die Adern und Venen der Zweige und Blätter.

„Da staunst du, was?“ raunte der Baum ruhig. „Meine Liebe wurzelt tief und fest im Grunde meines Herzens. Sie wächst und wächst und entfaltet sich. Ich liebe und erwarte keine Gegenleistung. Ich wurzele, wachse, blühe und trage dann auch Früchte. Ich spende dir Schatten und mit meinen Ästen möchte ich den Himmel umarmen. Doch ich frage nicht, ob du mich irgendwann abholzen wirst, oder ob der Himmel mir nicht die Äste brechen wird,wenn ich ihn berühre. Nein, ich frage nicht, ich liebe!“ hörte der Fremde den Baum sprechen.

Erschrocken sah der Fremde um sich, aber er konnte niemanden sehen.

„Liebe wurzelt tief und du vergeudest sie nicht, indem du sie verschenkst, sondern sie schöpft aus deinem Herzen immer wieder neue Kraft.“

„Wer liebt, wächst aus sich heraus.“

„Liebe, liebe, liebe und du wirst geliebt!“, sang der Baum weiter und wiegte seine Äste im Wind.

Der Fremde setzte sich jeden Abend unter den Baum, dessen Zweige ihm Schatten spendeten und lauschte was der Baum zu ihm sprach.

„Die Liebe braucht Raum und zeit in deinem Herzen um sich zu entfalten. Und sich braucht dein Vertrauen. Deine Angst vor Enttäuschungen ersticken sie im Keim.“

„Die Liebe zieht eine andere Liebe an. Ein unsichtbares Band webt sie zusammen. Gehe auf sie zu. Entferne dich nicht , damit die zarten unsichtbaren Fäden nicht reißen.“

Die Stürme des Sommers kamen und rüttelten und schüttelten den Baum, rissen ihm Zweige und Äste ab, bis sein Kleid in Fetzen von der Krone hing. Die Blüten fingen an zu welken. Vorbei die ganze Pracht.

Enttäuscht wandte sich der Fremde ab. Abends setzte er sich nicht mehr unter den Baum.

Er öffnete zwar noch das Fenster, aber dem Baum schenkte er nur verachtende Blicke.

„Von wegen Stärke“ murmelte er enttäuscht.

„Lass mir doch ein bischen Zeit!“ rief der Baum. „Alles braucht seine Zeit, auch die Liebe. Ich habe ein paar Wunden an meinen Ästen die heilen müssen. Ich liebe und ich habe nie aufgehört dir Schatten zu spenden. Eines Tages werde ich Früchte tragen.“

„Ich glaube dir nicht“ sagte der Fremde und schloss das Fenster.

Der Sommer ging zu Ende und der Herbst färbte das Laub purpurfarben.  Blätter fielen aus der Krone und tanzten Tango mit dem Herbstwind. Die alten Weiber des Herbstes sponnen silberne Fäden um die Äste. Der Fremde sah aus dem Fenster und traute seinen Augen nicht. Rote Früchte hingen am Baum. Er lief in den Garten um sie näher zu betrachten.

„Ich liebe, ich liebe,“ sang der Baum, „Kein Sturm kann mich in Stücke reißen, so lange meine Wurzeln stark sind um ihm zu strotzen und standzuhalten. – lch liebe, ich liebe…und blühe weiter bis die Sonne wieder scheint und meine Wunden heilt. – Ich liebe, ich liebe…und lasse Äste wachsen um dich zu umarmen. – Ich liebe, ich liebe…die Frucht der Liebe schenke ich dir“

Der Fremde hatte Tränen in den Augen und ging beschämt zurück ins Haus. „Du kannst die Früchte ruhig einsammeln, „rief ihm der Baum nach.

Versunken im Nebel ruhte die Welt. Der Fremde betrachtete die Früchte in den Körben und der süße Duft der reifen Früchte durchströmte sein Herz.

Als sich der Nebel lichtete hielt er es im Haus nicht mehr aus. Er machte einen langen Spaziergang durch die herbstliche Natur. Nach einiger Zeit wollte er zurückkehren, aber etwas hielt ihn zurück. Ein ihm noch unbekanntes Gefühl spornte ihn an, weiter zu gehen.

„Ich gehe noch ein Stück weiter, dachte er. „Ich weiß dass jemand auf mich wartet.“

Tatsächlich begegnete der Fremde der Frau, auf die er schon lange ein Auge geworfen hatte, aber sich nie traute, ihr zu sagen, was er für sie empfindet, aus Angst sie würde seine Liebe nicht erwidern. Von da an waren sie unzertrennlich. Sie verbrachten einige Zeit gemeinsam. Ein paar Tage waren es noch bis zum Jahresende. Sie feierten gemeinsam Weihnachten und bereiteten sich innerlich auf das neue Jahr vor.

„Bevor dieses Jahr zu Ende geht, möchte ich dir noch etwas sagen,“ sagte der Fremde schüchtern.

Sie lachte leise. „Nur zu,“ sagte sie. „ich bin gespannt.“

„ich liebe dich!“ rief er.

„Ich liebe dich,“ sagte sie leise aber bestimmt.

Er erzählte ihr von seinen Ängsten, sie hörte ihm zu. Vom Baum der Liebe erzählte er ihr. Neugierig ließ sie sich in den Garten führen. Der Baum schlief tief und fest unter einer Schneedecke. Ein paar welke Blätter fielen auf den Boden. Es sah aus, als würde der Baum ihnen zunicken. Beide legten das Ohr an den Baum und lauschten dem Wasserfall der Liebe im Herzen des Baumes

„Die Liebe wächst, wenn du sie wachsen lässt“, rauschte der Wasserfall.

„Stimmt!“, dachten beide und engumschlungen schritten sie ins Haus.

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