Der kleine Stern

Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein kleiner Stern. Er war so winzig, dass die Menschen auf der Erde ihn nur dann sahen, wenn der Himmel ganz klar war und die großen Sterne prächtig leuchteten. Dann wurde es auch um ihn etwas heller. Niemand der auf der Erde wohnte, ahnte auch nur im geringsten mit welcher Verzweiflung der kleine Stern kämpfte.

So sehr er sich auch putzte, wie groß auch seine Mühe war – er leuchtete immer nur ein wenig. Manches Mal blinzelte er zu den großen Sternen hinüber, um herauszufinden, warum sie so hell leuchteten. Sie hatten sogar die Kraft, die Erde zu erhellen. Ach, könnte er doch auch so strahlen!
Er fand keine Antwort auf seine Fragen und so wurde er immer trauriger. Manchmal, wenn keiner es sah, weinte er auch ein bisschen.

So traf ihn die Sonne auf ihrem täglichen Weg. Mit ein paar besonders warmen Strahlen trocknete sie seine Tränen ab und sagte: „ Kleiner Stern, freu dich doch, das du da bist!“

„ Aber ich bin so klein und leuchte nur so wenig“, antwortete der Stern. Die Sonne hatte keine Zeit für lange Gespräche, sie war schon weitergezogen, weil noch viele auf ihre Wärme warteten.

So blieb der kleine Stern alleine zurück.

Als die Nacht kam, fing er wieder an, sich zu putzen. So verging die Zeit. Eines Tages bekam er sogar Besuch von zwei Bewohnern eines anderen Sterns. Sie waren auf dem Weg zu ihrem Planeten und fragten höflich an, ob sie die Nacht bei ihm verbringen dürften. Der kleine Stern freute sich sehr. Vielleicht würden sie ein wenig mit ihm reden. Die Beiden waren jedoch viel zu müde, um sich zu unterhalten und gingen bald zu Bett. Ausgeruht und fröhlich setzten sie am nächsten Morgen ihre Heimreise fort.

Wieder war er alleine und traurig. So fand ihn der Mond auf seiner nächtlichen Reise.

„ Warum bist du so traurig, kleiner Stern?“ Fragte er ihn. Erschrocken blickte der Stern zur Seite. Er war es nicht gewohnt, dass sich jemand Zeit für ihn nahm. Doch der Mond schaute ihn so freundlich an, dass er beschloss, seinen Kummer zu erzählen. Er sprach von seinen Sorgen, seinen quälenden Gedanken du seinen heimlichen Wünschen.
Während der ganzen Zeit hatte ihn der Mond nicht ein einziges Mal unterbrochen. Und auch jetzt – der kleine Stern schwieg schon lange – zeigte der Mond keine Reaktion. Es schien, als lauschte er auch dem Schweigen.

Dann endlich begann er zu reden:
„ Sieh mal kleiner Stern, bei uns am Himmel ist es doch wie bei den Menschenkindern dort unten auf der Erde – auch sie leuchten alle verschieden. Manche siehst du schon von weitem, doch wenn du neben ihnen stehst, wird dir plötzlich kalt. Und gibt es welche, da musst du schon genau hinsehen, damit du nicht an ihnen vorübergehst. Wieder andere leuchten auf ganz sonderbare Art und Weise.
Es ist nicht das Licht, sondern die Wärme, die strahlt und leuchtet.
Und so verschieden sie auch sind, eines haben sie alle gemeinsam – sie brauchen einander! Der große Mensch den kleinen, der Kühle den, der Wärme gibt. Unser Sternenhimmel wäre wohl nicht vollkommen, wenn es dich nicht gäbe.“

Plötzlich verstand der kleine Stern. Entschlossen wischte er sich die Tränen ab, reckte sich und fühlte sich auf einmal unendlich wichtig am großen Sternenzelt.

Und er strahlte. Es wurde zwar immer noch nicht heller als vorher, aber was machte das schon.

Der kleine Stern war glücklich.

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